“Denke ich über meinen Zustand und meine Krankheit nach, führt mich das immer wieder zu ein und derselben Frage zurück: Warum ich? Ich sage zu mir: Warum gerade du, Assauer? Keiner kann mir das sagen. Ich finde keine Lösung. Es gibt keine Antwort. Aber ich zermartere mir den Kopf. Ich habe doch niemandem etwas getan, bin doch ein ganz normaler Bursche. Ist es Schicksal? Wohl schon. Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passiert, hatte mich nie wirklich mit der Krankheit beschäftigt.”
Dies ist ein Auszug aus Rudi Assauers Biografie
“Wie ausgewechselt", die seit dieser Woche im Handel ist. Kurz davor hat uns die Schlagzeile über die Alzheimer Erkrankung des ex Schalke 04 Managers geschockt. Das etwas mit ihm nicht stimmt, wurde schon länger gemunkelt. Er hätte wohl einen über den Durst getrunken, hieß es öfters hinter seinem Rücken, wenn er sich nicht mehr klar artikulieren konnte, abwesend wirkte.
Die Erkrankung setzte bereits 2005 ein. Assauer vergass Kleinigkeiten, stellte zweimal dieselbe Frage, war unkonzentriert. Beobachter führten die Aussetzer auf Stress zurück, keiner dachte an Alzheimer. Seine Gedächtnisleistung verschlechterte sich zusehends. Rudi Assauer vergisst in den darauffolgenden Jahren immer mehr. Termine und Namen entfallen ihm. Erst im Januar 2010 wird bei ihm die Alzheimer Krankheit diagnostiziert. Obwohl er schon gemerkt hat, dass etwas mit “seiner Birne” nicht stimmte, hatte er die Untersuchung lange hinausgezögert. Grund dafür ist unter anderem die Demenzerkrankung seiner inzwischen verstorbenen Mutter und seines älteren Bruders. Für Assauer damals ein schwerer Schlag. Nachdem ihn die eigene Mutter nicht mehr erkannte, schaffte er es nicht mehr sie zu besuchen. Auch seinen Bruder, der inzwischen rund um die Uhr in einem Pflegeheim umsorgt wird, hat er Jahre nicht mehr gesehen. Rudi Assauer hat die Alzheimer Krankheit verdrängt, aber nicht vergessen. In seiner Biografie geschrieben von Patrick Strasser, einem Sportjournalisten, blickt Assauer zurück auf sein Leben. Er rettet seine Vergangenheit vor dem vergessen. Assauer nimmt den Leser durch persönliche Anekdoten und Erinnerungen mit durch sein komplettes Leben. Angefangen bei seiner Fußballprofi-Karriere in Dortmund, seinen ersten Schritte als Manager in Bremen, bis zu seiner Erfolgsära auf Schalke. Man merkt, dieser Mann lebte für Fußball und für Schalke. So erfährt man unter anderem, dass Aussauer eigentlich Manager bei Bayern München werden sollte und Uli Hoeness dann nur zweite Wahl war. Diese Geschichten sind aber nebensächlich.

Zum Ende des Buches zieht Assauer Bilanz. Schreibt seine Frauengeschichten auf und wünscht sich, dass die Alzheimer Erkrankung jetzt nicht weiter voranschreiten solle:
“Ich wäre froh, wenn der Verfall jetzt nicht mehr weiterginge. Dann wäre ich der glücklichste Mensch der Welt. Auch wenn ich weiß: Mein Hirn, die Rübe da oben funktioniert nicht mehr. Das ist bitter, einfach nur bitter. Wenn ich jetzt 80 Jahre alt wäre, wäre das ja okay. Aber ich bin mit meinem Alter viel zu jung für diese Krankheit.”
Rudi Assauer war nie ein Fußballer der sich gerne auswechseln liess, er wollte 90 Minuten spielen. Dass ihn jetzt eine Krankheit langsam aus dem Leben nimmt, kann er nicht begreifen. Es sei eben Schicksal. Er habe ein schönes Leben gehabt und das will er auf keinen Fall vergessen.
Diese Biografie ist ein beeindruckendes Werk und es zeigt, dass diese heimtückische Volkskrankheit, egal ob familiär vorbelastet oder nicht, jeden treffen kann.
“Rudi Assauer - Wie ausgewechselt” erschienen im Riva Verlag für 19,99 Euro.
Der Titel dieses Blogs könnte auch schon über einen Monat alt sein. Denn schon damals habe ich mir die Frage gestellt: Was muss alles passieren, damit er endlich zurücktritt. Ich kann mich nocht gut an die erste Titelstory der Bild über Wulffs Hauskredit erinnern. Mein erster Gedanke war: Lasst ihn doch Geld leihen bei wem er will, das ist seine Privatsache. Ich war der Ansicht, dass der Springer Verlag hier eine Geschichte aufbauscht um dem Bundespräsidenten ans Bein zu pinkeln. Denn dieser hatte anscheinend keine Lust mehr auf Homestorys in der Bild. Als Staatsoberhaupt schien er das Boulevard Blatt nicht mehr zu benötigen und die Entscheidung darüber, wollte Bild nicht zu aktzeptieren. Was allerdings unter dem Teppich des “wulffschen Hauskredits” noch alles gefunden wurde zeigte, dass an dieser Geschichte doch ordentlich “Fleisch am Knochen” ist. Auch der Spiegel deckte parallel mit dem Springer Verlag das “System Wulff” auf. Der Bundespräsident wurde plötzlich zum Schnäppchenjäger der Nation. Der sich überallhin einladen liess, bei Geschenken aus der Wirtschaft nicht “Nein” sagte und seine politische Position für weitere Vorteile ausnutzte. Darf so seiner noch Bundespräsident bleiben?

Den wulffschen Schatten wir die Regierung Merkel einfach nicht los.
Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der ARD sagt, dass mittlerweile 54% der Deutschen seinen Rücktritt wollen. Das sind 8% mehr als noch im Januar. Der Grund für diesen erneuten Vertrauensverlust sind weitere Enthüllungen in den letzten Tagen und Wochen. Da ist die Geschichte mit dem Audi A3, für den es keine Rechnung gibt und den der Bundespräsident monatelang kostenlos fahren durfte. Eigentlich dachte man das Ende der Fahnenstange in dieser Affäre wäre erreicht. Doch die Causa Wulff wird zur Doku Soap. Inhalt: Korruption, Razzien, Intrigen und Affären. Dieser Bundespräsident taumelt nicht mehr, er klammert sich jetzt mit letzter Kraft an sein Amt. Das Vertrauen hat er schon längst verloren. Jetzt versucht er noch seinen Ehrensold zu retten. Denn unter diesen Umständen hätte er bei einem Rücktritt keinen Anspruch auf die 200´000 Euro jährlich. Auch da zeigt sich wieder das System Wulff: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Fernsehdeutschland hat es nicht leicht: Seit Jahren wird der TV Branche Ideenlosigkeit, Copy and Paste-Mentalität oder Ekelfernsehen vorgeworfen. Was bei den Zuschauern beliebt ist, wird von den Kritikern gehasst. Es ist schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ist das Dschungelcamp nun Trash-TV oder ist es Fernsehen mit psychologischem Hintergrund? Zugegeben, es gibt nicht viele Sendungen die von Kritikern und Zuschauern geliebt werden. Stefan Raab scheint einer der wenigen zu sein, der einen Mittelweg gefunden hat. Er kann Shows entwickeln, die dem Publikum gefallen und die in der Presse nicht jede Woche dem Untergang geweiht werden.
Der beliebte Moderator Thomas Gottschalk versucht genau diesen Mittelweg zu finden. Er hat mit seinem Team eine Sendung entwickelt, die nicht schon irgendwo im Ausland erfolgreich war und genauso 1:1 übernommen werden konnte. Dass dies der beschwerlichere Weg ist, wussten alle. Also alle ausser die Zuschauer und die TV Kritiker. Es braucht Zeit um ein solches Format zu etablieren. Auch ein Moderator wie Gottschalk, der über 30 Jahre Moderationserfahrung hat, muss sich erst einfinden. Und das kann man leider nicht alles im Vorfeld proben, sondern das muss On Air passieren. “Gottschalk live” ist nicht “Wetten Dass” und 30 Minuten sind nicht 3 Stunden.

Bild: ARD
Was man deswegen überhaupt nicht verstehen kann, ist dieser Schwall an negativer Kritik, der sich allabendlich im Internet über die Sendung und Gottschalk ergiesst. Natürlich gab es peinliche Momente, es sind Fehler passiert und natürlich ist das nicht optimal. ABER: Wer eine solche Show entwickelt, wer sich rauswagt in den eisigen Wind, wer sich dieser ARD “Todeszone” stellt, hat ein bisschen Zeit verdient.
Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Kritiker die über Gottschalks Show lästern, im selben Atemzug neue TV Ideen erwarten. Und wenn dann einer kommt der es probiert, wird er gnadenlos niedergeschrieben.
Fernsehen hat ein großes Problem: Täglich werden die Quoten gemessen. Würde man es wie beim Radio nur halbjährlich machen, bin ich davon überzeugt, dass unser TV Programm viel abwechslungsreicher und unverwechselbarer wäre, als heute.
Nach knapp 8 Jahren war es gestern soweit: Ich habe meine letzte Morgensendung bei 105´5 Spreeradio moderiert. Es ist ein eigenartiges Gefühl diese Wirkungsstädte zu verlassen, die über viele Jahre fast mein zu Hause war. Gerne denke ich an unsere Anfänge zurück, als wir eine sensationelle Quote von ca. 35´000 Hörern hatten *hüstel*. Wir haben also fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet. Unsere Studios befanden sich nicht im 10 Stock eines Hochhauses, sondern im Keller. Tageslicht gab es nur an den Redaktionsplätzen. Die Technik war veraltet aber es durfte noch überall geraucht werden, was Jochen ganz besonders freute.
Diese Zeit werde ich nie vergessen, denn es war die Gründerzeit des “neuen Spreeradios". Wir haben viel ausprobiert, von allen möglichen Plätzen Berlins gesendet und sind später mit der Morgensendung sogar auf Weltreise gegangen. Es war eine arbeitsintensive, anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit. Natürlich haben wir auch gestritten, es sind die Fetzen geflogen, aber genauso haben wir gefeiert wenn uns tolle Sendungen gelungen sind.
Die Redaktion hatte zu meinem Abschied ausgerechnet, dass ich wohl 8440 Sendestunden für Spreeradio moderiert habe. Dabei ist natürlich auch eine Menge Quatsch über die Antenne, der nicht lobenswert war.
Es freut mich allerdings wenn ich sehe, wo diese Station heute steht. Früher kannte uns keiner und die die uns kannten, wollten nicht mit uns zusammenarbeiten. Heute ist Spreeradio eine feste Größe in der Stadt, gehört zu den TOP 3 Radiostationen von insgesamt 30 Sendern. Das Programm ist etabliert, wir wissen was wir tun und ich glaube sagen zu können, wir tun das ganz gut.

Und immer wenn es Zeit ist, sich ausruhen zu können, habe ich das Bedürfnis weiter zu ziehen. Fernsehen war schon immer meine heimliche Leidenschaft. Schon früher als ich zu Hause verbotenerweise fern gesehen habe, wenn meine Eltern nicht da waren. Nach vielen Jahren beim Radio wechsle ich jetzt also das Medium. Wo genau es mich hinzieht und was ich dort künftig machen werde, verrate ich im neuen Jahr. Erstmal kommt eine kurze Pause im Januar, über alles weitere werdet ihr hier in diesem Blog informiert.
Wie Jochen in meiner Abschiedssendung gesagt hat: Passionierte Radioleute kommen immer wieder zum Radio zurück. Auch in diesem Punkt kann ich ihm zustimmen: Meine Radioleidenschaft macht nur eine Pause! In diesem Sinne wünsche ich schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Es gibt wenige TV Macher in Europa, die mit ihren eigenen Formaten über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich sind. Deren Shows sogar auf anderen Kontinenten zum Straßenfeger werden. John de Mol ist einer von ihnen. Vom Holländer stammen nicht nur Formate wie Traumhochzeit oder Big Brother, sondern auch der neue Quotenhit “The Voice of Germany". Der Bruder von Linda de Mol ist ein Kreativgenie. Ein Mann der Fernsehen liebt und lebt. Auch wenn einige TV Formate von John de Mol in der Kritik standen und stellenweise moralisch fragwürdig waren, gehört dieser Mann zu der Gruppe Fernsehmachern, die dieses Medium in die Zukunft führen können. Wer hätte gedacht, dass es nach Popstars, Star Search, DSDS und X-Faktor noch eine weitere erfolgreiche Musik-Casting-Show geben kann? Wer hätte geglaubt, dass vier Juroren auf drehenden Stühlen zum Quotenhit werden? Prosieben/Sat1 hat daran geglaubt und wurde belohnt. Die Sendung erreichte in den Blind-Auditions 30% Marktanteil in der Zielgruppe. “The Voice of Germany” hängte das lange etablierte RTL Format “Supertalent” ab. Die Show funktioniert sogar auf zwei TV Sendern parallel. ProSieben & Sat1 wurden damals belächelt als es hiess “The Voice of Germany” solle auf beiden Sendern ausgestrahlt werden. Doch auch dieses hin und her wechseln, scheint die Zuschauer nicht zu stören. Das Format von John de Mol war schon in seinem Heimatland ein riesiger Erfolg. In den USA war die Show ein Lichtblick für den von Flops gebeutelten TV Sender NBC.

Anscheinend gibt es auch hierzulande einen Sinneswandel beim Publikum. Plötzlich funktioniert eine Casting-Show ganz ohne Radau, inszenierte Streits und vorgeführte Kandidaten. Die Jury behandelt jeden mit Respekt und talentfreie Sänger landen schon gar nicht erst auf der Bühne. “The Voice of Germany” steht für Musikkompetenz und glaubwürdige Professionalität. Was langweilig klingt, ist in Wirklichkeit spannend und sehr unterhaltsam. Bei Castingshows zappe ich spätestens in der Werbepause weg, bei dieser nicht - und da bin ich anscheinend nicht der Einzige. ![]()
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